Ist ein “Outdoorpark für den Untertaunus” wirklich sinnvoll?

“Outdoorpark für den Untertaunus” – unter dieser Überschrift berichtete der Wiesbadener Kurier heute erneut über ein mögliches Geocaching-Angebot einiger kleiner Gemeinden im Rheingau-Taunus-Kreis.

Ein findiger Bürger, der eine “Outdoorakademie” betreibt, die mit GPS-Teamevents wirbt, hat es sich zum Ziel gemacht, die Taunusgemeinden dazu zu bewegen, sich durch die Nutzung des GPS-Signals touristisch attraktiver zu machen.

Offensichtlich sind nicht interessierte Muggels die Zielgruppe, sondern eher aktive Geocacher mit entsprechender Ausrüstung. Es ist nur die Rede davon, ein Internetportal zu schaffen, von dem man sich Routen runterladen könne, kein Wort vom Verleih von GPS-Geräten.

Grundsätzlich könnte man die Idee nicht schlecht finden, denn Geocaching kann in der Tat touristische Anreize schaffen. Aber mal ganz ehrlich, fahren Geocacher wegen dieses zusätzlichen Angebots in den Untertaunus?

Nur weil es “zehn ausgearbeitete Runden für unterschiedliche Zielgruppen – von Familien mit Kleinkindern bis zum Geo-Caching-Freak” pro Gemeinde geben soll, deren Runden man aus einem speziell hierfür erstellten Internetportal herunterladen könne?

Wenn ich mir die bereits vorhandene Cache-Landschaft in dieser Gegend anschaue, liegen in der betroffenen Gegend laut Geocaching-Maps bereits weit über 50 Caches, die von Cachern für Cacher gelegt wurden, ohne dass die Gemeinden hierfür auch nur einen Cent in die Hand nehmen mussten. Auch schon heute ist hier für jede Zielgruppe etwas dabei – das haben wir zum Teil auch schon persönlich vor Ort getestet. Ändert sich hier also etwas an der Attraktivität des Gebietes durch die kommerzielle Veröffentlichung weiterer 30 Caches ?

Wenn es darum geht, Werbung für die Gemeinden zu machen, ist dieser Weg meiner Meinung nach nicht der richtige.

Zwar sollen sich die Sucher der “Touristen-Caches” mit den Gemeinden auseinandersetzen müssen, da man für die Lösung der geplanten Multis Informationen der jeweiligen Orts-Homepage benötigt, aber – hier rede ich mal von mir selbst – genau hierauf wird sich der Besuch der Seiten in den meisten Fällen auch beschränken. Ich stelle das mal so provokativ in den Raum… aber ich habe diese Orte auch fast vor meiner Haustür. Sehen das Geocacher aus anderen Regionen anders? Entstehen beim Durchklicken der Homepages die erwünschten Synergieeffekte (Besuch anderer Veranstaltungen, möglicherweise sogar Finden eines Bauplatzes- wie es im Zeitungsartikel heißt)? Es darf diskutiert werden….

Fast ein wenig unverschämt finde ich die Äußerung, dass man das “”wilde” Geo-Caching, bei dem Privatleute Caches teils an gefährlichen Stellen ablegen oder auf der Suche nach den Depots kreuz und quer durch sensible Waldbereiche streifen” einfach nicht vermarkten könne. Ein Nebeneinander hätte ich ja akzeptieren können, aber ein Gegeneinander? Sollen nicht genau diese Privatleute das Angebot in Anspruch nehmen? So wird das jedenfalls nix!

Just my 2 cents…

…aber ein versöhnliches Wort zum Ende:

Cachen im AartalLandschaftlich ist die Gegend rund um Hohenstein wirklich schön und lässt das Herz des Outdoor-Freundes tatsächlich höherschlagen – Wälder, Felsen, Höhlen…und Caches von Cachern für Cacher.

Ein Besuch ist absolut zu empfehlenswert. Vielleicht klappt die Werbung ja mit Mund-zu-Mund-Propaganda…

2 Gedanken zu „Ist ein “Outdoorpark für den Untertaunus” wirklich sinnvoll?“

  1. Ich glaube nicht, dass sich der Anbieter tatsächlich ausreichend Gedanken über die von Ihm genannten Zielgruppen gemacht hat: Ein aktiver Geocacher (“Geocaching-Freak”) wird auf den bekannten Geocaching-Seiten fündig, warum sollte er von dem geplanten Portal seine Koordinaten herunterladen, wenn er keinen expliziten Mehrwert erhält. Ein in puncto Geocaching noch unbedarfter Tourist hat dagegen im Zweifelsfall nicht die notwendige Ausrüstung, um die angebotenen GPS-Daten ohne das zusätzliche Angebot eines Geräteverleihs zu nutzen.

  2. ich stelle mal eine Vermutung in den Raum: vermutlich liegt der angesprochene Bereich in einer Leader+ Region und es gibt EU-Mittel dazu (wer mehr wissen möchte, bitte googeln) – er hat eine Geschäftsidee, die ist förderfähig (unter möglicherweise einer Reihe von Förderziffern -> Tourismus, Diversifikation der Landwirtschaft, Schaffung von Vollzeitarbeitsplätze und evtl. noch ein paar anderen). Dazu macht er ein Konzept, sucht sich ein paar Kommunen als Partner und stellt einen Förderantrag… und so wie ich das System kenne, bekommt er einen Sack voll Kohle, dass es für einen Daimler reicht und nach Ablauf der Fördermittel-Bindefrist vergessen wir das alles wieder. Das “Interesse” an Tourismus oder Vermarktung von Geocaching ist lediglich Mittel zum Zweck.

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